Meditation für Skeptiker

Liebe Leserin, lieber Leser!

Vor geraumer Zeit erreicht mich ein Buch mit der Anfrage, ob ich es rezensieren wolle. Die Antwort: Ja. Unbedingt. Vor allem, nachdem ich es gelesen habe. Dazu sei noch angemerkt, dass mir der Einstieg ins Buch leicht fiel, kenne ich doch Ulrich Ott ein kleines bisschen persönlich. Und zwar als ambitionierten und führenden Forscher im deutschsprachigen Raum zur wissenschaftlichen Erkundung der Meditation einerseits und als ebenso engagierten Meditationspraktiker andererseits. Ott untersucht keinen von sich getrennten Forschungsgegenstand, den er pseudoobjektiv durchdringen will, sondern etwas, das er gleichzeitig durch eigene subjektiv-qualitative Erfahrung erlebt. Das ist etwas Besonderes und lohnt der Auseinandersetzung.
Meditation wird nach wie vor zuallererst mit spiritueller Praxis in Verbindung gebracht, so wie es auch aus dem Wikipedia-Artikel zu diesem Begriff hervorgeht. Das wäre kein Problem, wenn diese Assoziation im unternehmerischen Zusammenhang nicht häufig mit verquasten Esoteriklehren gleichgesetzt würde. Aber leider geschieht genau das noch immer viel zu häufig. Und genau deshalb ist Ulrich Otts Buch ein gelungener Wurf, um mit diesem Vorurteil gründlich aufzuräumen.
Im ersten Teil seines Buches widmet sich Ott gründlich und doch leicht lesbar der meditativen Praxis. Er dekliniert die Körperhaltung, das Atmen, Fühlen, Denken und Sein durch, so dass ebenso Menschen ohne als auch mit Meditationserfahrung reichlich dazu lernen können. Allein das ist ein Leistung, die hervorzuheben ist. Dieser Streifzug gewinnt genauso durch handfeste Anleitungen und Beispiele wie durch erste Hinweise auf wissenschaftliche Forschungsergebnisse. Letztere sind übrigens, was mir sehr sympathisch ist, selbst kritisch reflektiert. Ott hat nicht den irrationalen religiösen Glauben durch blinde Wissenschaftsanbiederei ersetzt. Wer hier noch den Kopf schüttelt und glaubt, es besser zu wissen, beweist sich selbst als verschlossen gegenüber rationalen Argumenten und wissenschaftlich-empirischen Forschungsergebnissen.
Im zweiten Teil gelangt der Autor dann zur wissenschaftlichen Vertiefung. Hier findet auch der letzte Skeptiker gute Gründe, warum Meditation für jedes Leben eine wertvolle Bereicherung sein kann. Wer im ersten Teil noch ein ungutes Gefühl hatte und sich vor den praktischen Übungsanleitungen zum Sammeln eigener Erfahrungen erfolgreich gedrückt hat, der kann jetzt seinem Verstand eine große Portion wissenschaftlicher Fakten zum Verdauen anbieten. Ott berichtet von den positiven Wirkungen bei Krankheiten und über die Stressreduktion und Prävention bei Gesunden.
Fazit: Ein Buch, das ich allen uneingeschränkt empfehle, die sich dem Thema Meditation kritisch nähern wollen; die ohne esoterische Verklärung die Vorteile der Meditation für sich entdecken wollen. Und allen, die bewusster, achtsamer und entschiedener leben wollen.
Herzlich,
Andreas Zeuch
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