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Pfläging 2013 - Organisation für Komplexität

Organisation für Komplexität

Liebe Leserinnen und Leser!

Keine Frage, wir leben immer noch in den betriebswirtschaftlichen Anfängen des 19. Jahrhunderts. Zumindest was das Menschenbild der meisten Unternehmensführer angeht und die damit verbundenen Strukturen, Kulturen und Managementtechniken. Ich durfte das selbst vor kurzem wieder nach einem Vortrag erleben. Abbau formaler Hierarchie? Nein, das geht nur bei kleinen, neu gegründeten Unternehmen. Und überhaupt: Nicht jeder will Verantwortung übernehmen. Da ist sie wieder: Die alte abgeklärte Weisheit, es könne nicht nur Häuptlinge geben. Wir brauchen auch Indianer. Um langsam aber sicher mit diesem Blödsinn aufzuräumen, ist Niels neues Buch ein guter Beitrag.

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Schumacher 2013 - Small is beautiful

Small is beautiful

Alleine der Titel ist schon ein subversiver Affront gegen die ökonomische Adipositas gingantea – zu deutsch: riesiger Wachstumswahn unserer Wirtschaft. Klein soll schön sein? Wie bitte? Sind doch die beliebtesten Arbeitgeber auch bei uns in Deutschland keine kleinen Unternehmen, sondern globale Konzerne mit bis zu mehreren hunderttausend Mitarbeitern wie BMW, Google, Audi, Bosch oder Siemens, um nur die Erstplazierten zu nennen. Die “Young Professionals” – herrlich dieses Business English, nicht wahr? – also die jungen Berufstätigen sind scharf auf Größe. Da gibt es kein Vertun. Schließlich kann man nur in einem großen Konzern richtig Karriere machen und weit aufsteigen, denn wenn die Hierarchieleiter nur drei Sprossen hat, dann kommt man nicht so besonders hoch hinaus. Außerdem ist doch absolut unbestritten, dass Größe unschlagbare Effizienzvorteile mit sich bringt. Wieso also sollte klein schön sein? Cave: Schumacher war ein brillanter Geist und er zerlegt genüsslich den Schwachsinn einer ewig wachsenden, größengeilen Wirtschaft. Wer scharf auf groß ist und es bleiben will, wer weiterhin unbekümmert seinen Kniefall vor den leuchtenden Zentralen der Konzerne machen will, sollte jetzt besser nicht weiterlesen.

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Pfläging 2011 - Flexible Ziele

Führen mit flexiblen Zielen

Liebe Leserinnen und Leser!

2008 lernte ich Niels Pfläging kennen. Er kommentierte in seiner unnachahmlich provokativen Art meinen ebenfalls provokativen Blogpost “Nichtwissen durch sensationelle Faulheit.” Daraus ergab sich schnell ein erstes Gespräch per Skype, weitere folgten und schon kurze Zeit später besuchte Niels mich in Heidelberg. Zahlreiche weitere Diskussionen und Auseinandersetzungen folgten, und ich lernte Niels Managementkritik gründlich kennen. Nicht nur durch die Lektüre seiner Bücher, sondern durch den lebendigen Austausch. Das war sehr hilfreich um zu verstehen, dass Niels etwas Wichtiges gelungen ist: “Führen mit flexiblen Zielen” ist eine vollauf gelungene Übersetzung des sperrigen “Beyond Budgeting” Konzepts, das aus der Analyse vieler andersartiger Unternehmen entstand, in eine alltagspraktische Unternehmens- und Führungssprache. Und wer wäre besser geeignet, diese Übersetzung zu leisten, als Niels? Niemand, denn er hat auch das deutsche Standardwerk zu diesem Thema verfasst (siehe Link oben). “Führen mit flexiblen Zielen” ist ein ebenso wertvoller Beitrag zu einer sinnvollen Haltung im Umgang mit Zielen wie ein äußerst nützlicher Methodenkoffer, wie man flexible oder relative Ziele setzt, verfolgt und umsetzt. Und es in der Ersterscheinung 2006 mit dem Wirtschaftsachbuchpreis von der Financial Times Deutschland und get abstract ausgezeichnet.

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Gebhards letztes Buch, sehr empfehlenswert

Affenmärchen

Liebe Leserinnen und Leser!

Ich hatte lange überlegt, ob ich dieses Buch rezensiere. Nicht etwa, weil ich zuviel zu meckern hätte. Vielmehr ist Gebhard Borck ein Beraterkollege, mit dem ich mehrere Jahre intensiv zusammengearbeitet hatte und bis heute kollegial verbunden bin. Die Entstehung dieses Buches fiel genau in die Zeit unserer intensiven Kooperation. Gebhard fing mit seinem Buch an, als ich gerade mein “Feel it!” fertiggestellt hatte. So wie er mich seinerzeit intensiv bei der Erstellung meines Buches durch permanentes Gegenlesen bei der Manuskripterstellung unterstützte, wurde nun ich sein Sparringspartner beim Schreiben. Der Grund, das Buch nicht zu empfehlen, lag also darin, dass ich den Eindruck hatte, nicht ausreichend Distanz dazu zu haben. Nun, offensichtlich sehe ich das heute anders. Nachdem mir in diversen Büchern das Thema Sinn im Beruf immer wieder über den Weg lief, kann ich nur feststellen: Affenmärchen ist das mit Abstand beste Buch zu diesem Thema.

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Hamel+2008+-+Das+Ende+des+Managements

Das Ende des Managements

Liebe Leserinnen und Leser!

2007 erschien das Original dieses Buches unter dem englischen Titel “The Future of Management”. Offensichtlich wurde in der deutschen Übersetzung aus der Zukunft kurzerhand das Ende. Ich erinnere mich noch, das ich dies anfänglich ziemlich sonderbar fand. Ist es doch eine gänzlich andere Bedeutung. Heute sehe ich das anders. Die Übersetzung wird dem Problem und der Lösung eher gerecht. Denn der Begriff “Management” ist zutiefst geprägt, imprägniert und verseucht durch Vorannahmen und Vorgehensweisen, die für eine menschliche und damit erfolgreichere Wirtschaft keinen Sinn machen. Woher der Begriff genau stammt, ist umstritten. Eine mögliche Wortherkunft stammt aus dem lateinischen “manus agere”: an der Hand nehmen und Führen. Das machen wir zurecht mit unseren Kindern, sollten es aber unseren Mitarbeitern gegenüber unterlassen. Doch bis heute wird genau das immer noch häufig praktiziert: Eine Arbeitsbeziehung, in der einer oben und die andere unten ist; in der Verantwortung entzogen und angewiesen wird, teilweise bis hin zur Schreibtischordnung. Deshalb ist der deutsche Titel zutreffender für die radikalen Änderungen, die Gary Hamel vorschlägt und an Hand erfolgreicher Unternehmensbeispiele ausführlich illustriert. Auch wenn wir dafür noch keinen neuen, inspirierenden Begriff haben. Aber dieses Vakuum fördert die Kreativität und einen visionären Blick über das Althergebrachte hinaus.