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Führen aus der Hängematte

Liebe Leserin, lieber Leser!

Wie bitte? Führen aus der Hängematte? Ja geht’s denn noch? Sich hängen lassen, entspannen, vielleicht sogar noch Tagträumen und aus dieser laxen Position heraus führen – das geht ja mal überhaupt nicht. Oder etwa doch? Bernd Hofmann, erfahrenerer internationaler Berater, hat einen wunderbar provokanten Titel für sein 2011 veröffentlichtes Buch gefunden. Und er überzeugt, warum Führen aus der Hängematte eben doch ausgesprochen sinnvoll und effektiv ist.
Sicher kennt Ihr die Metapher von dem Mann, der mit einer stumpfen Axt wie ein Berserker auf Bäume einhackt. Ein Passant fragt, warum er nicht einen Moment innehält, um seine Axt zu schärfen? Schließlich kann er dann wesentlich effizienter und effektiver weiter machen und die scheinbar verlorene Zeit mehr als einholen. Aber der Aktionist antwortet nur: Keine Zeit. Hofmann entlarvt genau diesen sinnentleerten, irrationalen Aktionismus, der viele, wenn nicht sogar die meisten Unternehmen durchseucht und stellt ihm sein Hängematten-Modell entgegen.
Der Kern besteht darin, auf Selbstorganisation zu vertrauen und die eigenen Kontrollbedürfnisse als solche zu erkennen und loszulassen. Wenn die Führungskräfte einerseits sich selbst regelmäßig kritisch reflektieren und andererseits mit Ihren Mitarbeitern offen und ehrlich deren Stärken und Schwächen besprechen, dann kann sich Höchstleistung und eine dauerhafte Innovationskraft entfalten. Natürlich bringt der Autor dazu verschiedene Fallbeispiele aus der eigenen Praxis oder Geschichten seiner Kollegen, die die jeweiligen Gedanken und Argumentationen deutlich illustrieren und unterstützen.

Hier mein Interview mit Bernd.
Der Ton ist ein bisschen leise, also bei Bedarf bitte etwas lauter stellen
Besonders gut gefallen hat mir die extrem konsequente Haltung, dass die Führungskräfte mit Ihrer Aufgabe zuallererst bei sich selbst anfangen müssen. Nur wer auch mit sich selbst ebenso kritisch wie konstruktiv umgeht, wird in seiner Führung den Mitarbeitern gegenübern glaubwürdig. Viel zu häufig finden wir immer noch ein peinliches Messen mit zweierlei Maß. Führungskräfte fordern von Ihren Mitarbeitern Leistungen ein, die sie selbst nicht im Entferntesten einlösen. Diese ärgerliche Schräglage hat übrigens Thomas Bubeck in seinem Buch “Aus der Giftküche des Managements” ausführlich beschrieben. Meine Rezension dazu findet Ihr auch in diesem Blog.
Natürlich gibt es zahlreiche “Hängematten-Tipps” und ebenso viele inspirierende Fragen, die der Autor seinen LeserInnen mit auf den Weg gibt. Es sind viele wertvolle Anregungen, die einzig manchmal ein bisschen redundant werden, so wie Einiges in der Analyse der bestehenden Führungskulturen. Aber Lernen besteht auch aus Wiederholung und insofern ist dies kein wirkliches Manko.
Eines jedoch verstehe ich nicht: Hofmann hinterfragt immer wieder aufs Neue formale Hierarchien mit ihren Kontrollexzessen und der allgegenwärtigen zugrunde liegenden Angst der Führungskräfte. Aber es fehlt der Schluss, dass eine der zentralen Wurzeln der Führungs- und Managementmisere eben die formale, festzementierte Hierarchie ist und dass es auch auch anders geht. Entsprechende Belege und Beispiele suchen Hofmanns Leserinnen jedoch vergeblich. Dabei gibt es diese Beispiele: Der brasilianische Klassiker Semco, das deutsche Unternehmen CPP Studios oder der schwedische Buchverlag Björn Lundèn Information, um nur einige Unternehmen aus verschiedenen Ländern, Branchen und Größen zu nennen. Bleibt die Hoffnung, dass der Autor darauf im nächsten Buch ausführlich eingehen wird.
Fazit: Das Buch ist für alle Führungskräfte lesenswert, die wissen wollen, wie sie ihre Mitarbeiter zu Höchstleistung einladen und eine starke Innovationskultur entwickeln können. Besonders wichtig ist das Buch für die Führungsspitze, sprich: für Geschäftsführer und Vorstände. Denn was Hofmann vorschlägt und empfiehlt, muss natürlich vom Top-Management gewollt und unterstützt werden.
Herzliche Grüße
Andreas Zeuch
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