Suarez+-+Darknet

Daemon und Darknet

Liebe Leserinnen und Leser!

Eigentlich empfehle ich hier Sachbücher – aber zu jeder Regel gibt es Ausnahmen: Heute findet Ihr hier zwei zusammengehörende Romane als Buchtipp: Daemon und Darknet von Daniel Suarez. Natürlich hat diese Ausnahme einen guten Grund. Suarez hat zwei Science-Fiction geschrieben, in denen er sich intensiv mit einer menschenwürdigen Gesellschaft und Wirtschaft auseinandersetzt. Das realisiert er, in dem er analysiert, wo uns Computer und ihre Software bereits hingeführt haben; und indem er phantasiert, was sie zukünftig bewirken könnten. Dies ist der zweite Grund für diese Ausnahme. Denn damit knüpfen die beiden Romane bei dem an, worüber Eli Pariser in der →”Filter Bubble” geschrieben hat: Die Personalisierung im Netz.

Der Plot des ersten Teils ist kurz erzählt: Martin Sobol hat als Computergenie in der Computerspielbranche ein äußerst erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. Als er stirbt nimmt ein gewaltiger Daemon, ein Programm das im Netz im Hintergrund läuft, seine Arbeit auf. Dieser Daemon ist über verschiedene Schnittstellen mit der realen Welt verbunden und kann sie so manipulieren. Und was dabei entsteht, ist ein perfides Horrorzenario, eine fiktive Fortsetzung dessen, was in ersten Ansätzen heute schon passiert.

Menschen werden auf diesem Wege teils ohne ihr Wissen zu Zahnrädern in Mordmaschinerien, andere werden durch perfide psychologische “Hacks” zu Sklaven der künstlichen Intelligenz und der virtuelle Geist Martin Sobols treibt langsam aber sicher alle, die den Daemon erkennen und ihn vernichten wollen, in den Wahnsinn.

Der zweite Teil “Darknet” verwandelt allmählich die dunkle Dystopie des ersten Bandes in eine faszinierende Utopie. Im amerikanischen Original lautete der Titel auch viel passender “Freedom” – denn der (Anti-)Held dieses Teils hat die Aufgabe herauszufinden, ob eine dauerhafte Demokratie möglich ist. Er wird in der Verbindung zwischen realer und virtueller Welt über die Schnittstelle augmented Reality auf seine Suche geschickt. Eine klassische Heldenreise. Schnell wird klar: “Der Daemon hat keine Ideologie. Er ist einfach nur das, was wir aus ihm machen”. Was sich klar und deutlich zeigt, denn an allen Ecken und Enden der Welt sprießen Daemon Gemeinschaften aus dem Boden, die einen alternativen Wirtschafts- und Gesellschaftsentwurf erschaffen.

Aber das Gute hat natürlich seine Feinde. Damit tritt der Daemon in den Hintergrund und es entspinnt sich ein Kampf zwischen dem Wirtschaftsetablishment und den Anarchisten, die in Freiheit leben wollen, denn “zu viel Macht in zu wenigen Händen schade dem Allgemeinwohl…”. Der Daemon wird zur Möglichkeit einer echten demokratischen Gesellschaft bis hinein in die Wirtschaft, er bietet die Chance, die Hoffnungen zu erfüllen, die wir heute tatsächlich mit dem Internet verbinden.

Fazit: Spannende Unterhaltung und Stoff zum Nachdenken für alle, die wissen wollen, wohin uns unsere Technik führen kann: In eine selbstgewählte Hölle oder auf die nächste Stufe echter, durch und durch gelebter Demokratie.

Herzliche Grüße
Andreas Zeuch

Suarez, D. (2011): Daemon. Die Welt ist nur ein Spiel. rororo. Taschenbuch, 640 Seiten. 9,99€
Suarez, D. (2011): Darknet. rororo. Taschenbuch, 480 Seiten. 9,99€

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